Die Rolle der russischen Militärpolizei in Syrien (War on the Rocks)

Mitglieder der russischen Militärpolizei. Quelle: IrkSib.ru.

03. Oktober 2017 – Mark Galeotti analysiert für War on the Rocks die Rolle der russischen Militärpolizei in Syrien. Diese Einheiten des russischen Militärs wurden erst 2011 gegründet und umfassen ca. 20.000 Mann, mehrheitlich Berufssoldaten. Sie sind durch ihre roten Barette und schwarzen Armbinden leicht erkennbar. Die eigentliche Rolle der Militärpolizei besteht in der Bekämpfung von Verbrechen und Disziplinarverstößen innerhalb der russischen Armee, jedoch sind sie längst zu einem sicherheits- und PR-technischen Element in Russlands Syrieneinsatz geworden.

Die russische Militärpolizei wurde erstmals im Dezember 2016 nach Syrien entsandt: Eine rein tschetschenische Einheit von ca. 400 Mann, rekrutiert aus den Kadyrow-treuen Sicherheitskräften der Teilrepublik, wurde u.a. in Aleppo eingesetzt. Sie wurden vielfältig abgeordnet, z.B. als Sicherheitspersonal von Konvois oder als Verteiler von Hilfsgütern. Moskau erhoffte sich durch die muslimischen Tschetschenen Sympathien und leichteren Zugang zur syrischen Bevölkerung.

Zudem spielten bei der Entsendung der tschetschenischen Kräfte auch innenpolitische Gründe mit: Der Verlust tschetschenischer Männer wiegt in der Heimat weniger schwer als der ethnischer Russen. Ramsan Kadyrow hatte nach der Ermordung Boris Nemzows außerdem seine Loyalität gegenüber Moskau zu beweisen. Aus ähnlichen Gründen kam eine Truppe aus Inguschetien zum Einsatz, die z.B. auf der Luftwaffenbasis Hmeimim und in Damaskus als Wachen aktiv waren, jedoch auch an der Seite der syrischen Armee in Jobar/Damaskus kämpften.

Ein russischer Militärpolizist bewacht im September 2017 einen Checkpoint der Deeskalationszone nahe Homs. Quelle: AP.

Die Entsendung nach Syrien ist für die russische Militärpolizei der erste Auslandseinsatz. Offensichtlich als Erfolg bewertet, sind mittlerweile vier Battailone mit ca. 1200 Mann in Syrien im Einsatz. Vorrangig beschützen sie russische Einrichtungen und Personal oder stellen Wachpersonal für Checkpoints. Sie sind aber auch mit der Überwachung der Deeskalationszonen betraut, die in Astana zwischen Russland, Iran und der Türkei ausgehandelt wurden. Beobachter gehen von einem dauerhaften Einsatz der Militärpolizei in Syrien aus.

Eine Patrouille der russischen Militärpolizei in der Provinz Homs, beschriftet auf Arabisch und Russisch. Quelle: Shaun Walker/Guardian.

Die russische Militärpolizei ist ein wichtiger Teil der russischen PR-Kampagne geworden. In Russland wird der Militäreinsatz in Syrien mittlerweile kritisch gesehen. Russland kommt daher das Bild einer Militärpolizei, die eine eher humanitäre Rolle – so die Vermarktung – einnimmt, sehr gelegen. So lässt sich das Bild eines sauberen Krieges ohne Verluste zeichnen.

International ist der Ruf Russland seit Jahren äußerst ramponiert. Mit der adretten Militärpolizei, die Hilfsgüter verteilt und Waffenstillstände überwacht, soll das Image Russlands aufgebessert werden: „[It] has meant that the military police have suddenly become the poster children of the Russian ‚assistance mission‘ to the Middle East.“

Dass die russische Militärpolizei eine ambivalente Rolle zwischen Wachbataillon und Kampftruppe einnimmt, ist für Russland ein strategisches Asset, argumentiert Galeotti:

In this context, while the military police are first and foremost exactly what they seem, a long-needed response to a need within the Russian armed forces, they also provide another source of “hard soft power.” Ostensibly providers of law, order, and security, they are also combat assets, and their presence in harm’s way can even — if one is working on a very ruthless calculus — justify the injection of more conventional military force when they come under threat.

Es sieht also nichts nach einem Ende der russischen Mission in Syrien aus.

Der Beitrag von Mark Galeotti erschien am 02. Oktober 2017 bei  War on the Rocks. Prof. Galeotti ist Leiter des Centre for European Security am Institute of International Relations Prague.