Iran rekrutiert afghanische Flüchtlingskinder für den Kampf in Syrien (Human Rights Watch)

Die Grabsteine von im Iran beerdigten afghanischen Kindersoldaten. Quelle: Human Rights Watch.

02. Oktober 2017 – Human Rights Watch berichtet, dass der Iran afghanische Minderjährige für den Kampf in Syrien rekrutiert. Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hätten im Iran lebende afghanische Flüchtlingskinder – manche erst 14 Jahre alt – für die Fatemiyoun-Brigade rekrutiert, die an der Seite Bashar al-Assads in Syrien kämpft. Human Rights Watch hebt hervor, dass die Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren nach internationalem Recht ein Kriegsverbrechen darstellt.

Die Fatemiyoun-Brigade besteht ausschließlich aus afghanischen Kämpfern, die vom Iran rekrutiert und trainiert werden. Sie wurde 2013 gegründet und soll über ca. 14.000 Kämpfer verfügen. Im Juli 2017 hatte auch die New York Times (SOC-Archiv) über die Fatemiyoun-Brigade berichtet. Die afghanischen Männer werden oftmals zum Kampfeinsatz in Syrien gezwungen, z.B. nachdem sie bei Aufenthaltskontrollen ohne Papiere aufgegriffen werden oder kriminell geworden sind. Andere schließen sich der Brigade freiwillig an, in der Hoffnung, einen Aufenthaltstitel im Iran zu erhalten (siehe auch Human Rights Watch 2016). Nach Schätzungen des iranischen Innenministeriums leben mehr als 2,5 Millionen Afghanen im Iran, vielen von ihnen ohne Aufenthaltstitel. Der Iran betont, es handele sich bei der Fatemiyoun-Brigade um Freiwillige.

Human Rights Watch hat Fotos von Grabsteinen iranischer Friedhöfe untersucht, auf denen in Syrien gefallene Kämpfer bestattet werden. Dabei wurden acht afghanische Minderjährige identifiziert, die beim Kampfeinsatz in Syrien ums Leben gekommen sind. Iranische Medien haben über einige dieser Fälle berichtet. Aus Medienberichten konnten zudem sechs weitere Fälle afghanischer Kindersoldaten, die in Syrien ums Leben kamen, entnommen werden. Human Rights Watch geht daher davon aus, dass die Rekrutierung minderjähriger Afghanen durch den Iran keine Einzelfälle darstellen. Weiterhin hätten einstige afghanische Kämpfer bestätigt, in der Ausbildung minderjährige Afghanen getroffen zu haben.

Der Grabstein von Alireza Rahimi auf dem Behesht-e-Zahra Friedhof in Teheran. Zu sehen ist u.a. das Logo der Fatemiyoun-Brigade. Quelle: Human Rights Watch.

Sarah Leah Whitson, bei Human Rights Watch für die Region des Nahen Ostens zuständig, verurteilte die Rekrutierung minderjähriger Flüchtlinge und forderte den Iran auf, die Verantwortlichen zu bestrafen:

Iran should immediately end the recruitment of child soldiers and bring back any Afghan children it has sent to fight in Syria. Rather than preying on vulnerable immigrant and refugee children, the Iranian authorities should protect all children and hold those responsible for recruiting Afghan children to account.

2002 trat das Optional Protocol to the Convention on the Rights of the Child in Kraft, dass besagt, dass Kämpfer mindestens 18 Jahre alt sein müssen. Der Iran hat dieses Protokoll noch nicht abschließend ratifiziert. Im syrischen Konflikt setzt nach Recherchen von Human Rights Watch (2015) zudem die YPG – die bewaffneten Kräfte der kurdischen Selbstverwaltung unter der PYD – minderjährige Kämpfer ein.

Einzelheiten zu den Ermittlungen von Human Rights Watch und den Namen der identifizierten minderjährigen Kämpfer finden sich auf der Website von Human Rights Watch.