Kurdischer Lehrplan wird von Bevölkerung Hassakehs abgelehnt (Syrian Observer)

28. September 2017 – Der Syrian Observer berichtet aus der nordsyrischen Provinz Hassakeh, in der die Umstellung auf den kurdischen Lehrplan bei der Bevölkerung für Unmut sorgt. Die Stadt Hassakeh wird in Teilen vom Assad-Regime und in Teilen durch die kurdischen Kräfte der PYD/YPG kontrolliert, während die ländlichen Gebiete der Provinz unter Kontrolle der PYD stehen. Theoretisch hat vor einer Woche in der Provinz Hassakeh das neue Schuljahr begonnen, doch bleiben vielerorts die Schulen geschlossen. Grund ist der Unmut der Bewohner, ihre Kinder in Schulen zu schicken, in denen der kurdische Lehrplan unterrichtet wird.

Die Eltern bemängeln einerseits, dass der kurdische Lehrplan regional und international nicht akzeptiert werde. Weiterhin sei im kurdischen Lehrplan eine Fokussierung und Verherrlichung des Kurdenführers Abdullah Öcalan enthalten. Während der Lehrplan des Regimes Assad verherrliche, sei das kurdische Curriculum also nun auf einen anderen Personenkult ausgerichtet. Inhaltlich gebe es keine Fortschritte. Zusätzlich stellt sich das Problem der Sprache: Kurdisch statt Arabisch.

Daher verschärft die aktuelle Einführung des kurdischen Lehrplans an weiterführenden Schulen – bereits 2015 wurde der neue kurdisch-sprachige Lehrplan für alle Grundschulen im Gebiet der kurdischen Verwaltung verpflichtend – die ethnischen Spannungen zwischen Kurden und Arabern. Bislang können in den kurdisch-kontrollierten Gebieten nur Privatschulen – oftmals von christlichen Gemeinden geführt – weiterhin den alten arabisch-sprachigen Lehrplan des Assad-Regimes anbieten, da sie eine Ausnahmeregelung erhalten haben. Die wenigen Privatschulen in Hassakeh-Stadt können den Ansturm der arabischen Kinder jedoch nicht mehr bewältigen. Die Folge ist dramatisch: Viele Eltern lassen ihre Kinder lieber zuhause, als sie nach dem kurdischen Lehrplan unterrichten zu lassen. Dies gilt v.a. für die ländlichen Gebiete der Provinz, in denen es ausschließlich kurdisch-sprachige Schulen gibt.

Die kurdische Verwaltung hat zuletzt Patrouillen der Sicherheitskräfte Asayish rund um die bislang geschlossenen Schulen aufgeboten. Die Schulen würden erst öffnen, wenn die Eltern den kurdischen Schulplan akzeptierten. Es sieht also nicht nach einer Entspannung der Lage aus. Vielen Kindern in der Provinz Hassakeh droht ein Schuljahr ohne Bildung.

Der Bericht des Syrian Observer erschien am 26. September 2017.