Ost-Ghouta: Hintergrund und Analyse (IRIN)

Die militärische Situation in Ost-Ghouta. Quelle: IRIN.

26. Februar 2018 – Aron Lund, freiberuflicher Journalist und Analyst mit Expertise zu Syrien, bietet auf IRIN einen ausführlichen Hintergrund zur Situation in Ost-Ghouta. Der Artikel befasst sich eingehend mit der humanitären und militärischen Situation in den östlichen Vororten von Damaskus, in denen 400.000 Menschen unter Belagerung und Bomben ausharren.

Lund geht u.a. auf die Phasen der seit 2013 anhaltenden Belagerung ein und zeigt auf, dass sowohl das Assad-Regime als auch oppositionelle Rebellen von der Schmuggelwirtschaft nach Ost-Ghouta profitiert haben. In Ghouta operieren verschiedene Rebellenverbände – v.a. Jaysh al-Islam (Islam Army) und Faylaq al-Rahman -, die untereinander im Konflikt stehen.

Obwohl Ost-Ghouta seit 2017 als Deeskalationszone ausgewiesen ist, hat das Assad-Regime seither die Blockade von Nahrungsmitteln intensiviert. In der Folge explodierten die Lebensmittelpreise, Kinder sind stark von Mangelernährung und Wachstumsverzögerungen betroffen. Seit Februar 2018 hat das Assad-Regime die Angriffe auf Ost-Ghouta verstärkt, allein in der vergangenen Woche starben hunderte Menschen durch Luftangriffe und Raketen. Ein Ende der Offensive ist derzeit nicht abzusehen.

Laut Lund verfolgt das Assad-Regime langfristig die Rückeroberung der gesamten Region Ost-Ghouta. Russlands Außenminister Lawrow hatte vergangene Woche für Ost-Ghouta ein Vorgehen analog des Aleppo-Szenarios angekündigt, bei dem großangelegte Evakuierungen – die UN spricht von Zwangsvertreibungen – durchgeführt wurden. Zuvor wurden Wohngebiete und medizinische Einrichtungen während der monatelangen Belagerung gezielt angegriffen, sodass die Bevölkerung zur Aufgabe gebombt und gehungert wurde. Auch in Ghouta werden medizinische Einrichtungen reihenweise unter Beschuss genommen. Das Schicksal Ost-Ghoutas sei daher weitgehend besiegelt, schreibt Lund:

The Eastern Ghouta enclave’s fate appears to be sealed. A safe exit arrangement for armed rebels and others who refuse or are unable to live under al-Assad may therefore be the least harmful solution for civilians. However there is a thin line between that outcome and violence that spins out of control into mass expulsion.

Even if opposition defeat in Eastern Ghouta ultimately seems certain, there are still many military and political paths to that end—some fast, some slow, and some more damaging to innocent people than others.

Dieser Beitrag von Aron Lund erschien am 23. Februar 2018 auf der Website von IRIN