Suweida: Milizenführer von Angehörigen eines Mordopfers entführt (Syrian Observer)

Der regimeloyale Milizenführer Anwar al-Kareidi, der am Wochenende in Suweida entführt wurde. Quelle: The Syrian Observer.

03. Oktober 2017 – Der Syrian Observer berichtet über die Entführung eines Milizenführers aus dem südsyrischen Suweida, Anwar al-Kareidi, durch Mitglieder einer lokalen Familie. Anwar al-Kareidi steht im regimekontrollierten Suweida einer regimeloyalen Miliz namens Al-Bustan (auch Bustan Association militia) vor. Zwar wird die Bustan Association offiziell als Hilfsverein geführt, zählt jedoch zu den prominentesten pro-Regime-Milizen in Syrien und ist seit 2012 landesweit an der Niederschlagung der Protestbewegung beteiligt.

Die Entführung Al-Kareidis hängt mit der Entführung der 17-jährigen Catherine Mazhar zusammen. Das Mädchen wurde im August 2017 in Suweida entführt und getötet – laut ihrer Familie soll sie für Organentnahmen umgebracht worden sein. Nach der Entführung nahm die Familie des Mädchens eigenhändig Ermittlungen auf. Sie töteten drei Männer, die in einem Video als Tatverdächtige erscheinen. Jüngst veröffentlichte die Familie Mazhar ein Video, in dem ein Mann unter Folter Anwar al-Kareidi beschuldigt, in die Entführung des Mädchens verwickelt zu sein. Von daher zeigt sich ein lokaler Aktivist nicht überrascht über die Entführung al-Kareidis. Nach al-Kareidis Entführung habe es in Suweida gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der al-Bustan-Miliz und der Mazhar-Familie gegeben.

Der aktuellen Entführung gehen zudem Spannungen zwischen al-Kareidi und dem lokalen Chef des Militärgeheimdienstes, Wafiq Nasser, voraus. Anwohner meinen, Nasser habe die Entführung al-Karedis durch die betroffene Familie abgesegnet. Haitham Mazhar, Vater des getöteten Mädchens, beschuldigte allerdings beide Männer, an der Entführung von Catherine beteiligt gewesen zu sein: „Anwar Karidi and Gen. Wafiq Nasser have a hand, 100 percent, in the kidnapping of the girl.“

Deutlich wird an dieser unübersichtlichen Gemengelage Suweidas, dass es in vielen Gebieten Syriens, die unter Kontrolle des Assad-Regimes stehen, zu einem Zustand der Gesetzeslosigkeit kommt. Anwohner Suweidas klagen über hohe Kriminalität und eine Abwesenheit staatlicher Strukturen. Somit sind die Gebiete unter Kontrolle Assads nur scheinbar sicher. Längst haben die Milizen ein Eigenleben entwickelt, dem das Regime nicht mehr Einhalt gebieten kann. Leidtragende sind wie so oft die Zivilisten.

Dieser Beitrag erschien am 03. Oktober 2017 auf der Website von The Syrian Observer