Syrischer Fotograf „Caesar“ erhält Nürnberger Menschenrechtspreis (BR)

Die französische Journalistin Garance Le Caisne während der Preisverleihung in Nürnberg. Quelle: BR.

25. September 2017 – Am Wochenende wurde dem ehemaligen syrischen Militärfotografen „Caesar“ der Nürnberger Menschenrechtspreis 2017 verliehen, berichtet der BR. Der aus Sicherheitsgründen nur unter Decknamen bekannte Militärfotograf konnte 2013 mehr als 50.000 Fotos aus Syrien schmuggeln, die als Beweismittel für die Todesmaschinerie des Assad-Regimes dienen. „Caesar“ hatte von 2011 bis 2013 für das Regime die Leichen von Inhaftierten zu dokumentieren, die an Folter und Mangelernährung starben. Seine Fotos zeigen mehr als 6.700 Menschen, von denen bereits 800 von ihren Familien identifiziert wurden. Etwa 90 dieser Familien seien bereit, Zeugenaussagen in Drittländern zu machen. Viele von ihnen halten sich mittlerweile in Deutschland oder europäischen Ländern auf – wie auch einige der Täter.

Aus Sicherheitsgründen konnte „Caesar“ den Preis nicht persönlich entgegennehmen. Der Nürnberger Menschenrechtspreis 2017 wurde auch an das Team um „Caesar“ verliehen, das sich dafür einsetzt, dass die Bilder zur Strafverfolgung genützt werden können. Den Preis nahm die französische Journalistin Garance Le Caisne entgegen, die „Caesars“ Geschichte in dem Buch „Codename Caesar: Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie“ festgehalten hat. Sie erinnerte an die syrische Revolution von 2011 und mahnte, dass die Gräueltaten des Assad-Regimes nicht aus geopolitischen Gründen vergessen werden dürften.

„Caesar“ (rechts im Bild) während einer Anhörung in den USA. Quelle: picture-alliance/dpa.

Zahlreiche Laudatoren würdigten den Mut „Caesars“ sowie die Bedeutung, die seine Fotos für die Strafverfolgung hätten. Stephen Rapp, einst Chefankläger am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda, nannte die in Syrien begangenen Verbrechen die schlimmsten dieses Jahrhunderts.

Etwa 100 der Fotografien „Caesars“ sind als Rahmenprogramm der Preisverleihung bis zum 3. Oktober 2017 in der Galerie Kreis ausgestellt. Dabei sind die Bilder so angeordnet, dass die Besucher selbst entscheiden können, wieviel des Schreckens sie sich zumuten wollen.

Der Nürnberger Menschenrechtspreis ist mit 15.000 Euro dotiert. Er versteht sich als entschiedenes Signal gegen die Verbrechen der NS-Zeit, die u.a. von Nürnberg ausgingen.

Dieser Beitrag des Bayerischen Rundfunks wurde am 24. September veröffentlicht.