Führungspersonen

Präsident Riad Seif

Riad Seif, Jahrgang 1946, unterhielt lange Jahre in Damaskus ein erfolgreiches Textilunternehmen mit hunderten Beschäftigten, das vom Regime Assad aus politischen Gründen in Konkurs gezwungen wurde.

Von 1994 bis 2001 war Riad Seif als unabhängiger Abgeordneter der Region Damaskus im syrischen Parlament vertreten, wo er für wirtschaftliche Liberalisierung und die Bekämpfung von Korruption eintrat. Er prangerte im Parlament offen die Vetternwirtschaft auf höchster Ebene an: Durch die Vergabe der Mobilfunklizenzen an Assads Familie entging dem syrischen Staat ein Vermögen.

Damaszener Frühling – Forum des Nationalen Dialogs

In den Jahren 2000/01 – dem Damaszener Frühling – drangen syrische Intellektuelle und Oppositionelle auf überfällige politische Reformen: Sie forderten im Manifest der 99 ein Ende des Ausnahmezustandes (seit 1963 in Kraft) sowie die Gewährung von Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Syrien müsse ein ziviler Rechtsstaat werden. Riad Seif wurde als Organisator des Forum des Nationalen Dialogs eine zentrale Figur der politischen Opposition.

Daraufhin verurteilte das Regime Seif zu fünf Jahren Haft – er habe versucht, „die Verfassung mit illegitimen Mitteln zu ändern“. In Abwesenheit erhielt er 2003 den Menschenrechtspreis der Stadt Weimar. Trotz anhaltender Schikane des Regimes unterzeichnete Seif nach Haftentlassung die Damaskus Deklaration, welche an die politischen Forderungen von 2000/01 anknüpfte. Für Seif und weitere Unterzeichner folgten zweieinhalb Jahre Haft.

Syrische Revolution – Schaffung einer politischen Alternative zu Assad

Riad Seif unterstützt das Anliegen des syrischen Volkes für Freiheit und politische Teilhabe seit Beginn der Revolution. Er setzte sich für die Schaffung eines breiten Oppositionsbündnisses ein: Militärische Verbände und lokale Räte wurden in den politischen Prozess miteinbezogen. So entstand im November 2012 die Syrische Nationale Koalition (SOC). Riad Seif und Suheir Atassi vertraten 2012/13 die SOC als Vizepräsidenten.

Am 6. Mai 2017 wurde Riad Seif zum aktuellen Präsidenten der SOC gewählt. Er wird sich weiterhin für einen demokratischen, zivilen Staat einsetzen, der die Rechte aller syrischen Bürger ungeachtet ihrer Ethnie oder Religion wahrt. Erklärtes Ziel ist die Schaffung einer Übergangsregierung unter Ausschluss Bashar al-Assads und tragender Vertreter seines Regimes. Damit soll ein wahrhafter politischer Wandel gemäß den Bestrebungen des syrischen Volkes herbeigeführt werden.

Generalsekretär Nazir Hakim

Dr. Mohamad Nazir Hakim, geb. 1950 in Manbij, Provinz Aleppo. Nach dem Abitur in Syrien betätigte er sich in der Opposition und musste aufgrund der repressiven Diktator des Hafez al-Assad seine Heimat bereits 1976 verlassen.

In Frankreich nahm er ein Studium der Elektotechnik auf und promovierte im Fachgebiet Mikroelektronik. Hakim war als Dozent an verschiedenen französischen Universitäten tätig. Beruflich arbeitete er über viele Jahre beim Energiekonzern „Le Circuit Electrique“, zuletzt als leitender technischer Direktor.

Nazir Hakim strebt eine Zukunft Syriens als Republik mit säkularer Staatsform, demokratischen Wahlen und Mehrparteiensystem an. Seit Beginn der syrischen Revolution 2011 gehört er zur demokratischen Alternative zum Regime Assad. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Syrischen Nationalen Koalition (SOC), diente in deren politischen Komitee und vertrat die syrische Opposition zuletzt als Botschafter in der Türkei.

Am 6. Mai 2017 wurde Nazir Hakim zum Generalsekretär der Syrischen Nationalen Koalition gewählt.

Vizepräsident Abdul Basit Hamo

Abdul Basit Hamo, Jahrgang 1964, stammt aus der nordsyrischen Provinz Hasaka. Er hat an der Universität Aleppo das Studium der Elektrotechnik abgeschlossen. Seit den 1990ern lebt Hamo in Deutschland.

Hamo vertritt innerhalb der Syrischen Nationalen Koalition den Kurdischen Nationalrat. Bereits seit 1981 ist er in der syrisch-kurdischen Bewegung aktiv und hielt verschiedene Führungspositionen inne. Hamo gehörte damit bereits der politischen Opposition gegen Hafez al-Assad an, der Syrien von 1970-2000 mit äußerster Härte beherrschte.

Abdul Basit Hamo unterstützt die syrische Revolution seit Anbeginn. Er nahm seit 2011 u.a. an einer Vielzahl von Konferenzen der syrischen Oppositionsbewegung teil. Hamo setzt sich für einen pluralistischen, demokratischen Zivilstaat ein, der alle Bürger Syriens ungeachtet ihrer Herkunft achtet und ihnen gleiche Chancen einräumt.

Vizepräsident Abdulrahman Mustafa

Abdulrahman Mustafa stammt aus Jarablus in der Provinz Aleppo. Er vertritt den Turkmenisch-Syrischen Rat.

Herr Mustafa schloss an der Universität Aleppo ein Wirtschaftsstudium ab und war über 20 Jahre im Bereich Firmen- und Finanzverwaltung tätig, auch im Ausland (Türkei, Libyen, Saudi-Arabien und Bulgarien). Er spricht fließend Arabisch, Türkisch und Englisch.

Zum Beginn der syrischen Revolution im Jahr 2011 kehrte Abdulrahman Mustafa in seine Heimat Syrien zurück. Innerhalb der Revolutionsbewegung war er maßgeblich am Aufbau turkmenischer Netzwerke beteiligt und ist Gründungsmitglied des Turkmenisch-Syrischen Rates. Im Jahr 2013 wurde er zunächst zum Vizepräsidenten des Rates, 2014 zum Präsidenten gewählt.

In seiner politischen Arbeit setzt sich Mustafa dafür ein, dass die Turkmenen in der künftigen Verfassung als „elementarer Bestandteil“ des syrischen Volkes anerkannt werden. Mustafas Vision für ein künftiges Syrien ist ein repräsentativer Rechtsstaat, der alle Volksgruppen ungeachtet von Religion und ethnischer Zugehörigkeit gleichstellt. Dazu sei gerechte und legitimierte politische Vertretung unabdingbar. Nur so ließe sich ein friedliches Zusammenleben verwirklichen und die Grund- und Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wahren.

Diese Ziele verfolgt Abdulrahman Mustafa auch als Vizepräsident der Syrischen Nationalen Koalition, zu dem er am 6. Mai 2017 gewählt wurde.

Vizepräsidentin Salwa Aksoy

Salwa Aksoy, Jahrgang 1981, stammt aus der syrischen Hauptstadt Damaskus. Sie ist als unabhängige Vertreterin Teil der Syrischen Nationalen Koalition.

Aksoy hat einen Bachelorabschluss der Universität Damaskus in englischer Literatur. Seit 2010 ist sie als Journalistin tätig, wobei sie sich auf das Themenfeld syrische Politik spezialisiert. Sie spricht Arabisch, Türkisch sowie Englisch. Aksoy ist verheiratet und hat drei Kinder.

Am 6. Mai 2017 wurde Salwa Aksoy zur Vizepräsidentin der Syrischen Nationalen Koalition gewählt.