Wie der Iran afghanische Flüchtlinge in Assads Krieg schickt (New York Times)

03. Juli 2017 – Ali M. Latifi berichtet für die New York Times über die Rekrutierung afghanischer Flüchtlinge durch das iranische Regime, damit diese in Syrien auf der Seite Bashar al-Assads kämpfen. Im Iran leben derzeit drei Millionen Afghanen, wovon zwei Millionen unregistriert im Land leben. Sollten sie aufgegriffen werden, droht ihnen die Abschiebung ins desolate Afghanistan. Daraus schlägt der Iran Kapital. Afghanen erhalten eine Aufenthaltserlaubnis und hohen Lohn für ihren Kriegsdienst in Syrien.

Bereits seit 2013 unterstützt der Iran das Regime von Bashar al-Assad massiv: Milliarden Dollar wurden nach Syrien gepumpt sowie Tausende Kämpfer der libanesischen Terrororganisation Hezbollah zum Kampf an Assads Seite geschickt. Anfang 2014 rief der Iran dann die Fatemiyoun Division (früher Fatemiyoun Brigade) ins Leben, eine Miliz aus schiitischen afghanischen Flüchtlingen. Die Miliz wird auf 8.000 bis 14.000 Mann geschätzt und von iranischen Revolutionsgardisten sowie Hezbollah-Veteranen trainiert. Der Iran behauptet vehement, bei der Fatemiyoun Division handele es sich um Freiwillige.

Neben der wirtschaftlichen und rechtlichen Notlage der Afghanen nutzt der Iran auch konfessionelle Motive, um die Kämpfer für den Einsatz in Syrien zu motivieren. Den unwissenden afghanischen Rekruten wird erzählt, sie müssten schiitische Heiligtümer in Syrien verteidigen. Die Hintergründe des Krieges bleiben den afghanischen Kämpfern – die weder Arabisch können noch Syrien kennen – verborgen.

Afghanische Flüchtlinge aus dem Iran an der Front nahe Palmyra, Syrien, im Juni 2017. Quelle: NYT/Mikhail Voskresenskiy/Sputnik, via Associated Press.

In Syrien angekommen, werden die Afghanen stets als „Kanonenfutter“ eingesetzt. Sie sind die „first-wave shock troops“, also die ersten an der Front, wie Latifi schreibt. Afghanische Kämpfer werden in ganz Syrien eingesetzt: Damaskus, Hama, Lattakia, Deir el-Zor, Homs, Palmyra und auch Aleppo. Im Kampf um Aleppo hätten die afghanischen Kämpfer eine entscheidende Rolle gespielt.

Hunderte Afghanen seien mittlerweile in Syrien gefallen. Ihre Leichname werden in Iran gezeigt, den Toten von hohen iranischen Offiziellen die letzte Ehre erwiesen. Dies sei wohl auch ein gezieltes Manöver, um der iranischen Bevölkerung vorzugaukeln, es seien keine iranischen Kämpfer in Syrien im Einsatz.

Den englischen Beitrag Ali M. Latifis vom 30. Juni 2017 kann man auf der Website der New York Times abrufen.